
Kriegsgebiete von ITF und IBF 2026: die Karte, das Geld und Ihr Recht, Nein zu sagen
Rotes Meer, Persischer Golf, Schwarzes Meer, Israel: die aktuelle Liste von IBF und ITF mit Kriegsgebieten, Hochrisikogebieten und erweiterten Risikozonen, welcher Zuschlag Ihnen dort zusteht und wie Sie eine Reise ablehnen, ohne Ihren Job zu verlieren.
Seiteninhalt
- ⚓ Wer die Karte zeichnet und ob sie für Sie gilt
- 🗺️ Drei Risikostufen
- 📍 Die Karte, Stand 15. Oktober 2026
- 💵 Was das in Geld bedeutet
- 🙅 Wie Sie eine Reise richtig ablehnen
- ✅ Wenn Sie bleiben: was Sie prüfen sollten
- 🧾 Fünf Fragen an die Crewing-Agentur vor der Unterschrift
- 🆘 Kontakte, die Sie im Telefon speichern sollten
- 🔄 Die Liste ändert sich: Prüfen Sie das Datum
Im Heuervertrag steht „worldwide trading“. Mitten in der Vertragszeit kommen die Reiseanweisungen: Laden in Ras Tanura, dann Noworossijsk, Bunkern in Fudschaira. Die meisten Seeleute fahren einfach weiter und wissen nicht, dass ihnen auf einem Schiff mit IBF- oder ITF-Tarifvertrag für jeden dieser Tage ein Zuschlag in Höhe ihrer Grundheuer zusteht und dass sie die Reise auch ganz ablehnen, auf Kosten des Unternehmens nach Hause fahren und obendrein die Grundheuer für zwei Monate bekommen können.
Unten finden Sie die ganze Karte, wie IBF und ITF sie am 15. Oktober 2026 vereinbart haben, das Geld in klaren Zahlen und was Sie Schritt für Schritt tun.
⚓ Wer die Karte zeichnet und ob sie für Sie gilt
Die Gebiete werden von zwei Gremien festgelegt, und welche Liste gilt, hängt vom Tarifvertrag ab, unter den Ihr Schiff fällt:
- IBF-Tarifvertrag. Im International Bargaining Forum verhandeln die ITF-Gewerkschaften und die Reeder gemeinsam. Sein gemeinsamer IBF-Ausschuss für Kriegsgebiete (Warlike Operations Area Committee) entscheidet, welche Gewässer gefährlich sind, für wie lange und was die Besatzung dort bekommt.
- ITF-Tarifvertrag (TCC). Auf Schiffen unter den ITF-Standardverträgen Total Crew Cost legt die ITF die Gebiete selbst fest. Heute wiederholt ihre Liste die Geografie der IBF Zone für Zone.
Woher wissen Sie, welcher bei Ihnen gilt? Fragen Sie vor der Unterschrift bei der Crewing-Agentur nach: „Fährt das Schiff unter einem IBF- oder ITF-Tarifvertrag?“. An Bord suchen Sie am Schwarzen Brett nach dem ITF Blue Certificate. Die Liste der festgelegten Gebiete muss dem Tarifvertrag als Anhang beiliegen und an Bord so aufbewahrt werden, dass die Besatzung sie lesen kann: Sie haben das Recht, den Kapitän danach zu fragen.
Hat das Schiff keinen der beiden Tarifverträge, greift nichts davon automatisch. Sie bekommen nur, was in Ihrem eigenen Heuervertrag, einem nationalen Gewerkschaftsvertrag oder den Regeln des Reeders steht. Manche davon übernehmen die IBF-Bedingungen, viele nicht. Lesen Sie die Kriegsrisikoklausel vor der Unterschrift, nicht erst, wenn die Reiseanweisungen kommen.
🗺️ Drei Risikostufen
Die Tarifverträge kennen drei Stufen. Was Sie bekommen, hängt von der Stufe ab, nicht davon, wie beängstigend die Nachrichten aussehen.
| Stufe | Können Sie ablehnen? | Zuschlag | Entschädigung bei Tod und Invalidität |
|---|---|---|---|
| Kriegsgebiet (Warlike Operations Area) | Ja: Heimschaffung auf Kosten des Unternehmens plus Grundheuer für 2 Monate | 100 % der täglichen Grundheuer, mindestens 5 Tage, danach jeder weitere Tag | Verdoppelt |
| Hochrisikogebiet (High Risk Area) | Ja, zu denselben Bedingungen | 100 % der täglichen Grundheuer für die tatsächlichen Tage des Aufenthalts oder der Durchfahrt | Verdoppelt |
| Erweiterte Risikozone (Extended Risk Zone) | Nein | 100 % der täglichen Grundheuer nur am Tag eines Angriffs auf das Schiff | Verdoppelt, wenn es am Tag eines Angriffs geschieht |
Drei weitere Regeln, von denen Besatzungen selten hören:
- Sie müssen vorab informiert werden. Fährt das Schiff in ein Kriegsgebiet oder Hochrisikogebiet oder könnte es dort einlaufen, haben Sie das Recht, das schon bei der Zuweisung zu erfahren. Wird es erst auf See bekannt, muss man es Ihnen sofort sagen.
- Schutz ist nicht freiwillig. In Kriegsgebieten und Hochrisikogebieten ist der Betreiber verpflichtet, Schutz zu organisieren, der ISPS Level 3 entspricht: Sicherheitspersonal oder Systeme, die das Schiff weniger verwundbar machen. In erweiterten Risikozonen müssen die Maßnahmen über das Niveau der Best Management Practices (BMP) hinausgehen.
- Gefangenschaft beendet Ihr Arbeitsverhältnis nicht. Geraten Sie durch Piraterie oder die Entführung des Schiffes in Gefangenschaft, bleibt Ihr Arbeitsverhältnis geschützt, innerhalb der festgelegten Gebiete oder irgendwo sonst auf der Welt.
📍 Die Karte, Stand 15. Oktober 2026
| Nr. | Gebiet | Stufe | Seit | Gültig bis |
|---|---|---|---|---|
| 1 | Jemen: 12 Seemeilen vor der Festlandküste und alle jemenitischen Häfen, außer dem Maritime Security Transit Corridor (MSTC) | Kriegsgebiet | 1. März 2018 | 23. November 2026 |
| 2 | Südliches Rotes Meer südlich von 16°24′N, Bab al-Mandab, der Golf von Aden mit dem MSTC, die Küsten von Dschibuti und Somalia | Kriegsgebiet | 19. März 2024 | 23. November 2026 |
| 3 | Asowsches Meer und Straße von Kertsch nördlich von 45°03′N | Kriegsgebiet | 1. November 2023 | 23. November 2026 |
| 4 | Nördliches Schwarzes Meer: von der Grenze Ukraine–Rumänien bis 45°10′N 031°00′E und 45°21′N 032°30′E | Kriegsgebiet | 1. März 2022 | 23. November 2026 |
| 5 | Alle Häfen der Ukraine | Kriegsgebiet | 1. März 2022 | 23. November 2026 |
| 6 | Schwarzes Meer südlich der Gebiete 3 und 4 und die Küste der Krim, bis zur Linie 43°25′N 039°55′E – 44°04′N 031°24′E – 44°44′N 031°11′E – 45°12′N 029°41′E | Hochrisikogebiet | 1. November 2023 | 23. November 2026 |
| 7 | Persischer Golf, Straße von Hormus und Golf von Oman nördlich von 24°00′N, mit allen Häfen, Terminals, Ankerplätzen und Binnenwasserstraßen | Kriegsgebiet | 6. März 2026 | 5. November 2026 |
| 8 | Südlicher Golf von Oman: südlich von 24°00′N, bis zur Linie in Peilung 035° vom Leuchtfeuer Ra’s al Hadd | Erweiterte Risikozone | 2. März 2026 | 5. November 2026 |
| 9 | 12 Seemeilen vor der Küste Israels und des Libanon | Erweiterte Risikozone | 13. März 2026 | 5. November 2026 |
| 10 | Israelische Mittelmeerhäfen und libanesische Häfen: am Liegeplatz und während der Lotsung | Erweiterte Risikozone, Stufe 2 | 3. April 2026 | 5. November 2026 |
Was das bei echten Hafenanläufen bedeutet:
- Rotes Meer. Dschidda, Port Sudan und der Suezkanal stehen nicht auf der Liste. Das Kriegsgebiet beginnt bei 16°24′N, etwa an der saudisch-jemenitischen Grenze, und umfasst alles südlich davon, Dschibuti eingeschlossen. Eine einfache Durchfahrt durch Bab al-Mandab bringt den Zuschlag für fünf Tage, auch wenn Sie an einem Tag durch sind.
- Persischer Golf. Jeder Hafen des Golfs ist Kriegsgebiet: Ras Tanura, Jebel Ali, Dammam, Kuwait, Basra, die iranischen Häfen. Die beliebten Bunker-Ankerplätze von Fudschaira und Khor Fakkan liegen nördlich von 24°00′N und zählen deshalb ebenfalls. Der Status gilt vor Anker und „all fast“ am Liegeplatz, nicht nur in Fahrt.
- Schwarzes Meer. Jeder ukrainische Hafen ist Kriegsgebiet, die Donauhäfen Ismajil und Reni eingeschlossen. Die russische Küste mit Noworossijsk und Tuapse liegt im Hochrisikogebiet. Rumänische, bulgarische, türkische und georgische Häfen stehen nicht auf der Liste.
- Israel und Libanon. Auf See innerhalb von 12 Seemeilen wird der Zuschlag nur am Tag eines Angriffs gezahlt. Am Liegeplatz in Haifa, Aschdod oder einem libanesischen Hafen und während der Lotsung gilt Stufe 2: 100 % der Grundheuer für jeden Tag, aufgerundet auf einen vollen Tag, und doppelte Entschädigung. Ein Recht auf Ablehnung gibt es hier nicht.
💵 Was das in Geld bedeutet
Alles wird von der Grundheuer berechnet, nicht von Ihrem Gesamtbetrag mit Überstunden und Urlaubsgeld. Der Tagessatz ist meist die monatliche Grundheuer geteilt durch 30: Prüfen Sie die Formel in Ihrem Tarifvertrag. Angenommen, Ihre Grundheuer beträgt 1.200 $ im Monat, das sind 40 $ am Tag. Dann gilt:
- Ein Tag durch Bab al-Mandab: Minimum sind 5 Tage, also +200 $.
- Neun Tage in Ras Tanura und Fudschaira: +360 $.
- Zwei Tage in Noworossijsk (Hochrisikogebiet): nur die tatsächlichen Tage, also +80 $.
- Eine ruhige Durchfahrt durch den südlichen Golf von Oman (erweiterte Risikozone): 0 $. Wird das Schiff an diesem Tag angegriffen, +40 $, und die Entschädigungen verdoppeln sich.
- Sie lehnen die Reise ab: Grundheuer für 2 Monate, also +2.400 $, dazu Heimschaffung auf Kosten des Unternehmens sowie Heuer und Leistungen, bis Sie wieder im Anmusterungshafen sind.
Die Summen für Tod und Invalidität in Ihrem Tarifvertrag werden verdoppelt. Das ist Geld für Ihre Familie, und es lohnt sich, die Zahl vor der Unterschrift zu kennen.
🙅 Wie Sie eine Reise richtig ablehnen
Das Recht auf Ablehnung gibt es nur für Kriegsgebiete und Hochrisikogebiete, und es ist ein Recht, nicht in das Gebiet zu fahren: Nutzen Sie es, bevor das Schiff das Gebiet erreicht. Ist es erst drin, wird es viel schwerer, sicher abzumustern, und die Entscheidung liegt nicht mehr wirklich bei Ihnen.
- Entscheiden Sie sich, sobald Sie von den Reiseanweisungen hören. Das Unternehmen muss Sie sofort informieren, also bleibt Zeit.
- Wenden Sie sich schriftlich an den Kapitän. Ein kurzer Brief oder eine E-Mail reicht. Behalten Sie eine Kopie und bitten Sie um eine Empfangsbestätigung.
- Nennen Sie den Tarifvertrag und das Gebiet. Zum Beispiel: „Punkt 7 der IBF-Liste, Persischer Golf“.
- Verlangen Sie die Heimschaffung. Das Unternehmen muss Sie abmustern und auf eigene Kosten nach Hause bringen. Ihre Heuer läuft weiter, bis Sie den Anmusterungshafen erreichen, und die Entschädigung in Höhe der Grundheuer für 2 Monate kommt obendrauf.
- Lassen Sie sich nicht zum Bleiben überreden. Nach den Tarifverträgen darf eine Ablehnung Sie weder den Job kosten noch Ihnen sonst einen Nachteil bringen. Wenn man Ihnen mit der schwarzen Liste droht, Druck macht oder einfach ablehnt, wenden Sie sich an die ITF, die Kontakte stehen unten.
Schreiben Sie den Brief auf Englisch, der Arbeitssprache an Bord. Er kann so aussehen:
To the Master of MV [vessel name]. I, [rank, full name], have been informed that the vessel is to proceed to [area], which is designated a Warlike Operations Area (item [number] of the IBF/ITF list). Under the collective agreement I exercise my right not to proceed to this area and request repatriation at the company’s cost with the compensation of two months’ basic wage. Date, signature.
✅ Wenn Sie bleiben: was Sie prüfen sollten
- Die Heuerabrechnung. Suchen Sie eine eigene Zeile: war bonus, WOA oder HRA bonus. Notieren Sie sich Datum und Uhrzeit von Ein- und Ausfahrt, wie sie im Schiffstagebuch und in den Mittagsmeldungen (noon reports) stehen, damit Sie etwas zum Vergleichen haben.
- Sicherheit. Schutz auf dem Niveau von ISPS Level 3 in Kriegsgebieten und Hochrisikogebieten ist Pflicht des Betreibers, kein Gefallen. Übungen, eine Zitadelle, Einweisungen, Wachleute, wenn die Passage es erfordert. Gibt es gar nichts davon, melden Sie es Ihrer Gewerkschaft oder der ITF.
- Ein Angriff in einer erweiterten Risikozone. Der Zuschlag für diesen Tag wird nur gezahlt, wenn der Angriff ins Schiffstagebuch eingetragen und den anerkannten internationalen Stellen gemeldet wurde, zum Beispiel UKMTO. Als Angriff gilt jede feindliche Handlung mit Raketen, Drohnen, Minen oder Waffen, auch Kollateralschäden oder ein Treffer durch Verwechslung, sowie jeder Versuch, das Schiff zu kapern oder zu entern, wenn er dazu führt, dass der Notfallplan des Schiffes aktiviert und die ganze Besatzung alarmiert wird. Achten Sie nach einem solchen Tag darauf, dass beide Schritte erledigt wurden, und schreiben Sie das Datum auf.
🧾 Fünf Fragen an die Crewing-Agentur vor der Unterschrift
- Welcher Tarifvertrag gilt für das Schiff: IBF, ITF TCC, ein nationaler Gewerkschaftsvertrag oder gar keiner?
- Wo fährt es? „Worldwide“ sagt nichts. Fragen Sie nach der Charter und ob Anläufe im Persischen Golf, im Schwarzen Meer oder im südlichen Roten Meer geplant sind.
- Wie hoch ist meine Grundheuer? Zuschlag und Entschädigung werden davon berechnet, nicht vom Gesamtbetrag.
- Wie hoch sind die Summen für Tod und Invalidität? In einem Kriegsgebiet oder Hochrisikogebiet werden sie verdoppelt.
- Wo sind die Bedingungen für Kriegsrisiken festgehalten? Gibt es keinen IBF- oder ITF-Tarifvertrag, müssen die Bedingungen in Ihrem Heuervertrag stehen, sonst haben Sie keine.
Prüfen Sie die letzten Hafenanläufe des Schiffes selbst über AIS: Wie das geht, steht in Schiffsprüfung per OSINT. Und wenn man von Ihnen Geld für einen „Platz auf einem Schiff im Golf mit doppeltem Zuschlag“ verlangt, lesen Sie zuerst Wie man Betrug vermeidet.
🆘 Kontakte, die Sie im Telefon speichern sollten
- ITF Seafarers Support: [email protected], dazu ITF-Inspektoren in den Häfen: Den nächstgelegenen finden Sie auf itfseafarers.org.
- UKMTO, 24/7 (Rotes Meer, Golf von Aden, Golf von Oman, Persischer Golf): +44 2392 222060, [email protected]. Meldungen schickt der Kapitän, aber die Nummer sollten Sie kennen.
- SeafarerHelp von ISWAN, kostenlos, 24/7, in vielen Sprachen: +44 20 7323 2737, WhatsApp +44 7909 470732. Wenn Sie mit jemandem reden müssen, von überall auf der Welt.
- Ihre Gewerkschaft, wenn Sie Mitglied sind. Speichern Sie die Telefonnummer einer bestimmten Person, nicht das allgemeine Postfach.
🔄 Die Liste ändert sich: Prüfen Sie das Datum
Jede Festlegung gilt für eine begrenzte Zeit und wird im Einvernehmen der IBF-Parteien verlängert. Die Gebiete im Nahen Osten gelten derzeit bis zum 5. November 2026, die im Roten und im Schwarzen Meer bis zum 23. November 2026. Gebiete kommen schnell hinzu: Die aktuellen Festlegungen für den Persischen Golf und den Golf von Oman erschienen Anfang März 2026 im Abstand weniger Tage. Öffnen Sie vor einer Reise die aktuelle Liste auf der ITF-Website und prüfen Sie, welches Stand-Datum darauf steht.
Aktuelle Listen von IBF und ITF auf der ITF-WebsiteDer Artikel stützt sich auf die IBF-Liste, wie sie der IBF-Ausschuss für Kriegsgebiete am 15. Oktober 2026 vereinbart hat, auf die ITF-Liste vom 11. Mai 2026 und auf das ITF-Merkblatt „Your Rights“. Das ist keine Rechtsberatung: Im Streitfall zählen der Text Ihres Tarifvertrags und die Hilfe der ITF.