Schiffprüfung
Prüfung vor dem Arbeitsvertrag
Ihnen wurde eine Stelle angeboten. Die Bezahlung ist ausgezeichnet, der Einsatz beginnt morgen. Bevor Sie zustimmen, nehmen Sie sich 15 Minuten Zeit für eine Recherche. Offene Daten (OSINT) ermöglichen es, fast alles über ein Schiff herauszufinden, ohne vom Sofa aufzustehen.
So prüfen Sie, dass Sie nicht an ein Geisterschiff oder ein schwimmendes Gefängnis geraten.
Werkzeuge
1. Wo befindet sich das Schiff gerade? (AIS)
Besuchen Sie MarineTraffic oder VesselFinder. Geben Sie den Namen oder die IMO-Nummer ein.
Woran Sie achten sollten:
- Wenn Ihnen gesagt wird, dass der Einsatz in Rotterdam beginnt, das Schiff aber laut Tracking in Singapur steht und sich nicht bewegt — dann wird Ihnen etwas vorgegaukelt.
- Wenn das Schiff seit einem Monat im Hafen liegt — möglicherweise ist es festgesetzt oder wird repariert.
- Wenn AIS schon lange ausgeschaltet ist ("No signal"), ist das ein sehr schlechtes Zeichen.
2. IMO-Nummer
Die IMO-Nummer ist der Pass des Schiffes. Der Name kann geändert werden, der Flaggenstaat auch, die IMO bleibt für immer. Betrüger verwenden oft den realen Schiffsnamen, erfinden aber eine falsche IMO (oder umgekehrt).
- In der IMO-Nummer befinden sich immer sieben Ziffern.
- Prüfen Sie sie auf Equasis (kostenlose Registrierung erforderlich) oder einfach über Google.
3. Equasis – Dossier zum Schiff
Equasis — Equasis ist eine Datenbank, in der man die Hintergrundinformationen des Schiffes sehen kann. Dort kann man herausfinden:
- Wer der tatsächliche Eigentümer ist.
- Wie oft das Schiff festgehalten wurde (PSC-Detention).
- Welche Klassifikationsgesellschaft zuständig ist.
Wenn das Schiff in jedem Hafen festgehalten wurde wegen Gehaltsrückständen oder technischen Mängeln — das werden Sie sehen.
Untersuchung am Beispiel
Angenommen, es geht um die ELEEN SOFIA (IMO: 9407512).
- Tracking prüfen. Das Schiff befindet sich im Indischen Ozean. Wenn Ihnen eine Einschiffung in Brasilien für morgen angeboten wird — passt es nicht mehr.
- Gehen Sie zu Equasis.
- Baujahr: 2008.
- Eigentümer: Offshore-Unternehmen auf den Marshallinseln.
- Betreiber: bulgarisches Unternehmen.
- Historie prüfen.
- 2022: Festnahme in den USA.
- 2024: Festnahme in Australien (Lohnrückstände).
- ITF hat es bereits in schwarze Listen aufgenommen.
Schlussfolgerung: Die Stelle könnte real sein, aber das Schiff hat Probleme. Sie riskieren, ohne Geld oder ohne Klimaanlage in den Tropen zu sitzen.
Warnzeichen 🚩
- Diskrepanzen. Im Vertrag ist eine Flagge angegeben, im MarineTraffic eine andere.
- Namenswechsel. Das Schiff ändert den Namen alle sechs Monate. Das ist eine klassische Methode, um Schulden zu entgehen.
- Flagge. Wenn das Schiff unter einer "schwarzen" Flagge fährt (Länder mit niedrigen Sicherheitsstandards), erhöht sich das Risiko.
- Fehlen in Datenbanken. Wenn das Schiff in keinem Register aufgeführt ist — existiert es nicht.
Zusätzlich
- Überprüfen Sie die ITF-Schwarze Liste.
- Googeln Sie den Schiffsnamen + "crew problems" oder "arrest".
Es ist besser, den Abend mit dem Googeln zu verbringen, als Gehaltszahlungen durch Gerichtsverfahren in einem fremden Land für sechs Monate einzutreiben.
Wie man Betrug vermeidet
Wichtige Anzeichen für Betrug und Sicherheitstipps.
Möglichkeiten für Unternehmen
Informationen für Arbeitgeber: Begrenzungen, Verifizierung und Zugriff auf die Datenbank.
